


In meinen Augen steht über dieser Frage ein Wort: Freiheit. Einfach ein Lebensgefühl der Freiheit. Ich werde es aus meiner Sicht erklären.
Es gibt ein Gefühl der Freiheit in dieser Gesellschaft. Und das steckt an.
Ich sehe, wie viele Menschen hier nur 1 Generation von der Selbstversorgung entfernt sind. Fast alle Nachbarn haben etwas Land und ich glaube Portugal ist wahrscheinlich das Land mit den meisten Pick-up Fahrzeugen pro Einwohner. "Carrinha con caixa aberta" sieht man an jeder Ecke.
Viele erzeugen noch selbst Gemüse oder haben zusätzlich Hühner, Schweine oder Schafe.

72% leben im Eigentum
Portugiesen leben laut meinen Recherchen zu 72% im Eigentum. Das heißt, die Leute leben in dem Grundgefühl zur Not alleine klarzukommen und von Ihrem Land zu leben. Daher wirken die Leute vermutlich trotz der täglichen Anstrengungen eher entspannt und freundlich.
Und wenn es sehr anstrengend oder schlimm wird, sagt man: "é a vida". So ist das Leben. Man akzeptiert von der Grundhaltung alles private Leben, wie es ist. Arbeit, Krankheiten, Geldprobleme... aber es gibt auch einen hohen Grad an kultureller Identität. Auch junge Leute mit kleinen Kindern leben die kulturellen Traditionen.
Der Alltag in Portugal
Unser erster Vermieter lachte im Oktober bei der Übergabe der Wohnung und erzählte, dass er in jedem Jahr bis November in Flipflops unterwegs ist.
Über die App wird der Strand beobachtet. Und wenn die Fischer mit ihrem Fang an den Strand kommen, fährt man direkt dorthin und kauft noch am Strand den frischen Fisch.



Viele Nahrungsmittel kann man selbst erzeugt auf den Märkten, die auch in kleinen Orten 3 mal die Woche stattfinden, zu sehr günstigen Preisen kaufen.
Komfort, der überrascht
Und die Supermärkte sind sehr ansprechend und komfortabel gestaltet. Es gibt immer eine ausreichende Anzahl überdachter Stellplätze. Immer mit Ladesäulen für Elektro Fans. Die Supermärkte haben immer auch Sanitärräume für die Kunden. Ebenso ist immer ein Geldautomat im Supermarkt vorhanden und meist ein Cafe Restaurant mit warmer Küche. So bei Continente, Pingo Doce und Intermarché.
Weniger Regulierung, mehr Eigenverantwortung
Es gibt hier z.B. keinen Angelschein. Man kann alle staatlichen Gebühren einfach am Geldautomaten bezahlen. Alle staatlichen und viele weitere Empfänger sind dort schon hinterlegt. Und so bezahlt man auch die 12€ pro Jahr für das Angeln im Meer. 8€ an Flüssen.
Es gibt auch keinen Schornsteinfeger. Sehr viele Haushalte heizen mit Holz oder Pellets. Man kauft sich einfach einen Kaminofen und baut ihn in Eigenregie ein. Es gibt niemanden, der zur Abnahme kommt oder kontrolliert.
Hier leben die Menschen deutlich mehr in Eigenverantwortung und ohne staatliche Kontrolle.
Nachbarschaft und Tradition
Und es ist eine Grundeinstellung, sich gegenseitig zu helfen.
Im Spätsommer, wenn die Tannenzapfen der Pinienwälder fallen, nehmen die Leute auf dem Rückweg vom Strand diese Säckeweise mit nach Hause um im Winter die Kamine damit anzuheizen. Deshalb sehen die Wälder in Strandnähe meist wie geleckt aus.
Manche sammeln auch Brennholz. Und laden es auf ihren Pickup. Aber es ist nicht aus Not, sondern eher aus Tradition. Und Pragmatismus. Man nutzt einfach, was die Natur bietet.
Auch eine Gebäudeversicherung ist hier nicht obligatorisch.
Weniger Kosten, mehr Leben
Also alle diese schleichenden Kosten fallen hier erst gar nicht an. Das Leben ist hier auch deshalb insgesamt deutlich günstiger. Nicht nur beim Vergleich von Warenkörben.
Die Sprache - praktisch und effizient
Zuerst denkt man an den Ozean, die üppige Anzahl der Sonnentage, aber für mich sind es die Portugiesen selbst. Portugiesen sind und denken sehr praktisch und unkompliziert. Aus meiner Sicht ist das bereits in der Sprache erkennbar. Viele Worte haben mehrfache Bedeutungen. Zum Beispiel "Massa" kann Nudeln, Mörtel, oder Geld im Sinne von „Knete" bedeuten... ist alles Masse und insofern logisch und sehr treffend. "Chega" bedeutet „er/sie (es) kommt", bedeutet aber auch „es reicht", „es ist genug".
Im Prinzip kann man der Sprache leichter folgen als man denkt. Denn es ist eine lateinische Sprache und gelesen kann man oft intuitiv die Bedeutung erahnen. Wie "Balcao", was neben Balkon auch Bar, oder Ladentheke oder auch Info-Schalter bedeutet. Im Prinzip erkennt man hier eine hohe Effizienz im Sprechen und damit verbunden dem Denken. Man macht die Dinge nicht komplizierter als unbedingt notwendig.
Die Verwaltung - digital und schnell
Die Dinge geschehen sofort. Ich verstehe nicht, warum man so oft vor portugiesischer Bürokratie warnt. Ich erlebe eine digitalisierte und hocheffiziente Verwaltung und auch entsprechend die Versorger.

Infrastruktur und Erreichbarkeit
Ein weiterer Vorteil ist es, dass das Land relativ klein ist. Nur ca. 200km breit. Wir leben quasi in der Mitte am Atlantik. Es ist 1 Stunde von Porto, 2 Stunden von Lissabon. Und die Algarve ist 4 Autostunden entfernt. Alles bequem an einem Tag erreichbar.
Und die Autobahn in Portugal ist ein Genuss. Entspannt und frei. Grund dafür sind die Mautgebühren, welche die meisten Leute sich lieber sparen. Dafür sind die KFZ Steuern sehr niedrig. Für unseren Geländewagen aus dem Jahr 2000 2,3 Liter Turbodiesel zahle ich aktuell pro Jahr 70€ KFZ Steuer.
Fazit
Portugal ist eine unbedingte Empfehlung für deutsche Rentner und Freiberufler. Bei der aktuell weiter schwindenden deutschen Rente und steigenden Lebenshaltungskosten bietet Portugal nicht nur finanzielle Vorteile, sondern vor allem eines: ein Stück Freiheit zurück.
"Das tägliche Leben ist deutlich weniger reguliert. Kein Schornsteinfeger, kein Angelschein, Renovierung eines der reichlich vorhandenen preiswerten, leerstehenden Häuser ist ohne Genehmigung möglich - man lebt einfach mehr."










